Zum Tod von Siegfried Bedorf

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

(Erich Kästner)

Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass unser langjähriger stellvertretender Schulleiter, Siegfried Bedorf, am vergangenen Sonntag gestorben ist.

Mit ihm verlieren wir eine beeindruckende Persönlichkeit, die unsere Schule wesentlich geprägt hat.

Herr Bedorf ist 1970 an das Gymnasium der Stadt Frechen gekommen, das damals seit sieben Jahren bestand, und ihm bis zum Ende seiner Dienstzeit 2005 und darüber hinaus treu geblieben.

Mit großer Leidenschaft hat er seine Fächer Mathematik und Physik unterrichtet und sich konsequent dafür eingesetzt, die Naturwissenschaften am Gymnasium der Stadt Frechen zu einem Bereich zu entwickeln, der qualitativ und quantitativ exzellent aufgestellt ist.

Siegfried Bedorf nahm Innovationen in der Wissenschaft gerne auf und nutzte sie gewinnbringend für die Schule. Er schrieb bereits eigene Computerprogramme, als Informatik noch nicht als Fach an der Schule unterrichtet wurde. Sehr früh wurde in Frechen der Stunden- und Vertretungsplan digital erstellt und kommuniziert. Herr Bedorf baute die erste Homepage der Schule auf. Das Gymnasium der Stadt Frechen gehörte folgerichtig zu den ersten Schulen im Programm „Schulen ans Netz“.

Als 1997 die Schule einen Neubau erhielt, den sogenannten N-Trakt, setzte er sich erfolgreich dafür ein, dass auf dem Dach der Schule eine Solaranlage installiert wurde, die Strom ins Netz einspeist. Sein großes Steckenpferd war die Astronomie – da lag es nahe, den Neubau mit einer Sternwarte zu versehen. Auch mit dieser Idee konnte Siegfried Bedorf überzeugen. Das neue leistungsfähige Teleskop war ein Anziehungspunkt und lud Schüler*innen zu häufigen Beobachtungen des Himmels ein.

In die Reihe der Installationen, die wir ihm verdanken, gehört schließlich die Wetterstation auf dem Dach der Schule zum Empfang von Satellitendaten , die  zu seiner Zeit wissenschaftlich-technisch auf dem neuestem Niveau war.

Schüler*innen für Naturwissenschaften zu begeistern ist als Motivation in all diesen Projekten erkennbar, war aber auch in seinem Unterricht wirksam. Ist es heute selbstverständlich, Schüler*innen selbstständig experimentieren zu lassen, war dies in den 70er Jahren durchaus nicht der Fall.  Herr Bedorf ließ Schüler*innen bereits eigene Versuche mit den Schätzen der Physiksammlung durchführen – auch hier war er innovativ.

Um die Jahrtausendwende wurden in der Pädagogik stärker die Schüler*innen in den Blick genommen, die besonders begabt sind und denen gegenüber man sich in der Pflicht sah, ihnen ein eigenes, herausforderndes Angebot zu machen. Dieses Ziel war vollkommen unabhängig von Fächern definiert. Herr Bedorf hat in seiner eigenen, pragmatischen Art erkannt, dass das Gymnasium der Stadt Frechen im Bereich der MINT-Fächer über die personale Kompetenz und die vorhandene Ausstattung  beste Voraussetzungen hatte, hier im MINT-Bereich ein eigenes Angebot zu machen. Der Weg war frei für die Gründung des Leistungszentrums für Naturwissenschaften und Umweltfragen, für das er die ersten Kurskonzepte entwarf und später Mittel der Bollstiftung nutzte, um die Ausstattung auf ein herausragendes Niveau zu bringen. Im Prozess wurde der Adressatenkreis von besonders begabten Schüler*innen auf besonders interessierte Schüler*innen verändert – und damit ein außergewöhnlich kreativer und fruchtbarer Ort der Förderung des Interesses für Naturwissenschaften im ganzen Rhein-Erft-Kreis geschaffen.

Die Anerkennung der besonderen Qualität der Arbeit in den MINT-Fächern am Gymnasium der Stadt Frechen durch die Aufnahme der Schule in den Kreis der MINT-EC-Schulen war anschließend nur folgerichtig.

Herr Bedorf hatte eine besondere Antenne dafür zu erkennen, wenn neue Entwicklungen so genutzt werden konnten, dass sie der Schule und ihren Schüler*innen einen Mehrwert verschafften. Er war ein Meister in der Nutzung von Synergieeffekten. Indem beispielsweise das LNU zum zdi-Zentrum LNU-Frechen Rhein-Erft wurde, konnte die gewohnte Arbeit auf breitere und solidere Füße gestellt werden.  

Auch in seiner Tätigkeit als stellvertretender Schulleiter haben wir seine Tatkraft und sein zielorientiertes Agieren sehr geschätzt. Herr Bedorf fand immer eine pragmatische Lösung und war hochgradig effizient. Er war ein Freund klarer Worte und unterstützte die Kolleg*innen wo immer und wie immer es möglich war. Seine Entscheidungen wurden als gerecht erlebt. Für viele war er Mentor und Vorbild zugleich.

Er hat sich immer bedingungslos für unsere Schule eingesetzt, zu allen Zeiten, und mit all seinen Fähigkeiten, unabhängig davon, ob sie für das Lehramt oder die Leitung einer Schule relevant waren oder nicht. So konnte er am Wochenende mal schnell persönlich dafür sorgen, dass die Datenleitung für die Solaranlage gerade noch rechtzeitig in den feuchten Estrich des Neubaus gedrückt wurde.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst ist Herr Bedorf der Schule verbunden geblieben. Er hat noch viele Jahre die Website betreut. Er hat bis vor einem Jahr im Förderverein Verantwortung als Schatzmeister getragen und war bis zuletzt für das zdi-Zentrum LNU-Frechen tätig.

Seine Identifikation mit unserer Schule war überragend, sein unermüdlicher Einsatz und seine Tatkraft ebenfalls. Sein Tod ist ein Verlust, den man nur annähernd mit Worten beschreiben kann. Wir sind zutiefst dankbar, ihn an und für unsere Schule gehabt zu haben.

Frechen, 22.9.2021

Petra Bold und Jörg Zimmers, Schulleitung

Paul Feltes und Oliver Dietershagen, zdi-Zentrum LNU-Frechen Rhein-Erft

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