LRS-Konzept des Gymnasiums Frechen

Für Schülerinnen und Schüler (SuS) mit einer Lese- Rechtschreib-Schwäche (LRS) hat das Gymnasium Frechen ein LRS-Konzept entwickelt, das sich auf den LRS-Erlass NRW stützt. Unser Ziel ist es, betroffene Schüler zu schützen, ihre Nachteile auszugleichen und sie individuell zu fördern.

Wer gilt als LRS-Schüler?

Der LRS-Erlass regelt, wer als LRS-SchülerIn gilt: Als LRS-Schüler gelten „SuS, bei denen besondere Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und des Rechtschreibens beobachtet werden.“ In den Jahrgangsstufen 3 bis 6 sind das „alle SuS, deren Leistungen im Lesen oder Rechtschreiben über einen Zeitraum von mind. 3 Monaten den Anforderungen nicht entsprechen.“ In den Jahrgängen 7 bis 10 und der Oberstufe handelt es sich dabei um Einzelfälle von SuS, „deren besondere Schwierigkeiten im Lesen oder Rechtschreiben bisher nicht behoben werden konnten“.

Wie diagnostizieren wir eine LRS?

Alle am Gymnasium der Stadt Frechen aufgenommenen SuS nehmen am Duisburger Sprachstandstest (DST) teil, den wir bereits am Ende der Jahrgangsstufe 4 durchführen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Einteilung der Förderkurse (s.u.). Neben dem DST als Diagnoseinstrument setzen wir zu Beginn der Jahrgangsstufe 5 die Münsteraner Rechtschreibanalyse ein, um ein noch differenzierteres Bild des Förderbedarfs der betroffenen Kinder zu ermitteln.
Zusätzlich fließen selbstverständlich die Beobachtungen der FachlehrerInnen, insbesondere die der Deutschlehrkraft, in die Diagnose ein.

Wie werden die LRS- Schüler in den Jahrgängen 5 und 6 gefördert?

Neben der Förderung innerhalb des Unterrichts erhalten die SuS eine Rechtschreibförderung in Kleingruppen mit in der Regel maximal sieben TeilnehmerInnen. Diese Rechtschreib-Werkstatt findet in den Jahrgangsstufen 5 und 6 immer dienstags in der 7. und 8. Stunde sowie freitags in der 6. Stunde statt. In der Jahrgangsstufe 5 ersetzt damit die Teilnahme an der Rechtschreib-Werkstatt die Teilnahme an der Arbeitsgemeinschaft (AG).

Was geschieht, wenn auch mit Abschluss der Erprobungsstufe noch Förderbedarf besteht?

Ab der Jahrgangsstufe 7 können wir keinen LRS-Förderunterricht mehr anbieten. Die spezifische Förderung muss ab diesem Zeitpunkt zu Hause geleistet werden. Hierzu stellt die Deutschlehrerin/der Deutschlehrer Material zusammen, das bearbeitet werden muss. An die kontinuierliche Dokumentation der Förderung ist auch die Erteilung von Notenschutz und Nachteilsausgleich geknüpft.

Welche weiteren Hilfen gibt es für SuS mit einer LRS?

Laut Erlass hat Ihr Kind bei einer diagnostizierten LRS zusätzlich zu den Fördermaßnahmen einen Anspruch auf Notenschutz (Nichtbewertung der Rechtschreibleistung) und Nachteilsausgleich in allen Fächern.Konkret bedeutet das, dass ihr Kind neben dem Notenschutz weitere individuell abgestimmte Maß-
nahmen erhält, die seinen Nachteil ausgleichen. Das kann eine Verlängerung der Arbeitszeit sein, aber auch eine veränderte Aufgabenstellung oder das Arbeiten am PC.Auch in der Oberstufe und den Zentralen Prüfungen besteht gemäß der APOGOSt §13 ein Recht auf Nachteilsausgleich (aber nicht auf Notenschutz!), sollten einzelne SuS nach wie vor betroffen sein. Der Nachteilsausgleich muss von den Eltern bei der Schule (für die Oberstufe) bzw. durch die Schule bei der Bezirksregierung Köln (für die Zentralen Prüfungen) rechtzeitig beantragt werden.

Was können Eltern für ihr Kind tun?

Eltern von Kindern, bei denen eine LRS vorliegt, sollten sich intensiv mit dem Thema LRS beschäftigen, um ihr Kind bestmöglich zu unterstützen.Außerdem sollten sie Kontakt zu den Lehrkräften sowie zu Eltern, deren Kinder ebenfalls eine LRS haben, suchen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, mit dem Kind auch zu Hause das Schreiben und Lesen zu üben, indem man Schreibanlässe, z.B. das Schreiben einer Einkaufsliste, anbietet.Besonders wichtig ist es jedoch, dass das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt und die Motivation, das „LRS-Problem“ anzugehen, gefördert werden.

Wir freuen uns auf eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Kölner Stadt-Anzeiger, Magazin, 05.02.2018:

IN DER SCHULE

„Während meiner Zeit als Lehrer habe ich mir gedacht, diese Kinder sind eben einfach nur nicht gut in Rechtschreibung. Ich hätte mir nicht im Traum denken können, was für ein Teufelskreis an einer LRS hängt und was das für die Kinder in ihrem Alltag bedeutet.“ Das sagt Bert Kerstin. 28 Jahre lang war er Englischlehrer und Lehrerausbilder in Bonn. Heute ist er Lehrerfortbildner und veranstaltet regelmäßig Infoabende über LRS. ,,Weil es bei diesem Thema noch extrem viel Aufklärungsbedarf gibt.“ Als einzelner betroffener Elternteil habe man oft keine Chance bei Konflikten mit Lehrern und Schulen. Erst wenn man als Gruppe auftritt, werde man gehört. Denn Kinder mit LRS und Dyskalkulie bedeuten für die Schulen mehr Arbeit und Aufwand. Deutlich mehr. Und das ist eine Zusatzbelastung im stressigen Schulalltag. „90 Prozent der Schulen haben eine defensive Haltung zu diesem Thema. Aus Unsicherheit. Und aus Überforderung.“ Kerstin weiß aus eigener Erfahrung, dass die meisten Lehrer und Schulleiter bis oben hin mit Arbeit eingedeckt sind. Wie soll es ihnen gelingen, lese- und schreibschwache Kinder im Schulalltag angemessen zu fördern – vor allem, wenn ihre Schule selbst noch kein ausgereiftes Förderkonzept für die betroffenen Kinder hat? Nur ganz wenige Schulen haben ein eindeutiges LRS-Konzept [Hervorh. d. Schule]. Manche Institutionen sind zwar sehr bemüht, aber oft fehlen die Ressourcen. Andere Schulen verdrängen das Problem.“ Experten gehen davon aus, dass etwa 20 Prozent aller Kinder unter den nach wie vor gültigen „LRS-Erlass“ von 1991 fallen. Sie haben also gesonderten Förderbedarf. „Das Thema ist kein Randproblem. Doch die Eltern sind hilflos und verzweifelt im Kampf um die Rechte ihrer Kinder. Sie haben große Angst um deren Schullaufbahn und den späteren Berufseinstieg. Zu Recht, denn wer schlecht lesen und schreiben kann, hat es in der Jobwelt schwer. Auch deshalb haben Kinder mit LRS besondere Rechte in der Schule. Ihre Rechtschreibung fließt nicht in die Note mit ein, und sie erhalten einen Nachteilsausgleich. Das heißt, dass sie zum Beispiel mehr Zeit bei den Klassenarbeiten bekommen, da sie länger fürs Schreiben und Lesen brauchen. Doch nicht jeder Lehrer weiß das. Und nicht jeder sieht das auch ein. „Meist müssen Eltern mit jedem einzelnen Lehrer diskutieren und Notenschutz und Nachteilsausgleich für ihre Kinder jedem einzeln abtrotzen. Obwohl es den Kindern rechtlich ganz eindeutig zusteht. Sogar ohne Attest“, sagt Bert Kerstin.

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