Blick hinter die Kulissen: Der Diener zweier Herren

Wie sehr sich das Zeitempfinden verändern kann, haben wir von der Theater- AG diesen Freitag, am 23. 11. am eigenen Leib erfahren. Kurz vor den Aufführungen unserer Komödie „Der Diener zweier Herren“ erschien uns unser Jahr Vorbereitung wie eine Ewigkeit, nach den Aufführungen fühlten wir uns, als wäre nur eine Woche vergangen. Plötzlich war alles vorbei, ein Jahr Vorbereitung für diese beiden herrlichen Momente. Aber gehen wir mal zurück zum Anfang.

Als Frau Neumann und Frau Herder uns das Stück vorstellten, konnten wir uns nichts darunter vorstellen. Ein Diener, der hat zwei Herren. Einer heißt Florindo, der andere Federico, aber eigentlich ist Federico gar nicht Federico, sondern Beatrice und die hat eine Beziehung zu Florindo, aber die wissen nicht, dass Truffaldino, der Diener, beiden aufwartet und dann gibt’s da noch die Lombardis, welche die Tochter von Pandolfa als Braut haben wollen, aber die war ja eigentlich Federico versprochen, der ja eigentlich Beatrice ist und außerdem liebt Truffaldino Blandina, die Dienerin von Rosalie, welche die Tochter von Pandolfa ist…

Wir haben selbst mehrere Wochen gebraucht, um vollständig zu verstehen, wer in diesem Stück wer ist, geschweige denn, was er oder sie will.
Nach der unkomplizierten Rollenverteilung ging es an die Theorie. Was viele aus ihrem Deutschunterricht kennen und hassen, haben wir nach der Schule freiwillig gemacht: Charakterisierung unserer Rollen. Da so ein Dramentext nicht viel her gibt für eine seitenlange Charakterisierung, erschuf jeder seinen eigenen, persönlichen Charakter nach eigener Interpretation.

Nach der Theorie ging es an die Praxis. Mit unserem Theaterpädagogen Herrn Rousta feilten wir immer weiter an unseren Charakteren, an jeder Mimik und jeder Geste auf der Bühne.
Was anscheinend auch viel zu Spekulationen geführt hat, sind unsere Theaternächte. Ja, wir haben einpaar Mal in der Schule übernachtet, ja, es war lustig, aber was zum Teil für Gerüchte im Umlauf sind, ist eine Erwähnung wert. Nein, Theaternächte sind keine exzessiven Parties und wir machen auch nicht fleißig die ganze Nacht durch, um zu proben. Wir treffen uns, proben, machen Pause, essen, proben weiter, schauen abends einen Film, dabei schläft mehr als die Hälfte weg, die anderen reden noch was und dann schläft man. Am nächsten Tag geht’s um acht weiter mit Frühstück und Probe. Ja, es macht Spaß, so spektakulär ist es dann allerdings doch nicht. Hätten wir das also auch mal geklärt.

Wer nun aber denkt, dass wir „mal eben so“ eine Commedia dell’arte auf die Beine gestellt haben, der irrt. Einen Monat vor den Aufführungen ging es in die „Hardcore-Proben-Phase“, Ausreden bei Abwesenheit galten nicht mehr, der Text musste sitzen, die Kostüme mussten fertig sein, Requisiten mussten vorhanden sein und das Bühnenbild musste einsatzbereit sein. Letzteres hat viele von uns viele Freistunden und uns allen den letzten Nerv gekostet, da es einpaar klitzekleine Probleme mit der Befestigung gab und das einen Tag vor der ersten Aufführung. Wer uns allerdings auf der Bühne in Aktion gesehen hat, weiß, dass wir alles trotzdem fehlerfrei über die Bühne gekriegt haben.

Und während Sie im Publikum saßen und sich amüsierten, fieberten wir hinter der Bühne mit jedem einzelnen aus unserem Team mit, waren zur selben Zeit aufgekratzt und erleichtert, weil ein Jahr Arbeit sich nun auszahlte. Sie glauben gar nicht, wie sehr man sich als Darsteller auf der Bühne freut, wenn ein riesiges Publikum über die eigene Pointe lacht, welche man monatelang einstudieren musste, damit sie Menschen wirklich zum Lachen bringt.

All den Aufwand und die Strapazen eines ganzen Jahres hat uns Ihr Beifall versüßt.

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