Orientierungspraktikum an der Uni Köln

Vom 15. Bis 19. Oktober diesen Jahres hospitierten einige Schüler der Stufe Q.1 und drei der Q.2 im Rahmen des dualen Orientierungspraktikums an der Uni Köln. Von Anfang an wurde deutlich, dass wir große Freiheiten in der Wahl unserer Vorlesungen hatten, wir durften unseren Wochenplan mit Vorlesungen aus allen möglichen Fakultäten, außer der medizinischen, selbst erstellen. Die einzige Einschränkung bestand darin, keine Kurse oder Seminare besuchen zu dürfen, jedenfalls nicht offiziell. Wenn man nachher durch neu gewonnene Bekannte doch noch in einen Kurs reinkam, umso besser.

Der erste Tag an der Uni begann mit einer kleinen Einführungsrunde in der zentralen Studienberatung, wo jedem persönliche Tipps zum erstellten Plan gegeben wurden. Die Kritik bestand hauptsächlich darin, dass die Schüler, welche viel aus BWL oder Jura gewählt hatten, die weniger spannenden Pflichtveranstaltungen ausgelassen und stattdessen interessantere Nebenfächer wählten, keinen realistischen Einblick in ihr gewähltes Studium bekommen würden. Viele andere, welche sich von vornherein  sicher waren, in welche Richtung sie nach dem Abitur gehen möchten, nutzten die Woche, um einen Einblick in andere Fächer zu bekommen, die zwar faszinierten, aber eher unwahrscheinlich als späteren Beruf wären. Vor allem die Medizin-Orientierten unter uns konnten nur trockene Medizinfächer wie Biochemie, Pharmakologie oder Physik für Mediziner besuchen, was wir erst nachher erfuhren. Auch aus dem Grund entschieden sich in dieser Woche viele gegen ihr eigentliches Wunschstudium.

Nachdem Fragen geklärt wurden und abgesprochen wurde, wann und wo die nächsten Informationstreffen sein würden, begann für uns der Uni- Alltag. Für mich hieß das, in der gigantischen Aula im Hauptgebäude mit mehr als 500 Personen aus der letzten Reihe einer Vorlesung zu folgen, die der Prof wie eine kabarettistische Abendunterhaltung aufbaute. Nach zwei Stunden Pädagogik ging es dann weiter. Die Betonung liegt hierbei auf weit. Als Schülerin des Gymnasiums Frechen, wo man überschaubare Gelände gewohnt ist und die größte Distanz zwischen zwei Gebäuden mühelos in unter zwei Minuten überwunden werden kann, verunsicherte mich der zehnminütige Fußmarsch vom Hauptgebäude zum humanwissenschaftlichen Trakt schon. Zum Glück hatte ich mir bei der Studienberatung einen Lageplan mitgenommen, sonst hätte ich das Gebäude nicht gefunden. Das rate ich an dieser Stelle jedem, der unvorbereitet an die Uni Köln geht: man braucht diesen Lageplan! Die Wege zwischen den Gebäuden werden, vor allem, wenn man wie ich Fakultäten- Zapping betreibt, unterschätzt. Auch die Beschilderung ist zum Teil nicht da oder überwuchert, sodass man nicht erahnen kann, zu den Humanwissenschaften bis zum Aachener Weiher gehen und dann in eine idyllische Allee, die rein gar nichts mit Universität zu tun haben scheint, einbiegen zu müssen. Jedenfalls habe ich meine Vorlesung doch noch gefunden, konnte aber nachher nachvollziehen, warum manche ein paar ihrer Vorlesungen ausfallen lassen mussten, weil sie entweder den Raum oder gleich das ganze Gebäude nicht gefunden haben. Die Studenten dort sind zwar sehr hilfsbereit und freundlich, wissen aber manchmal selbst nicht so genau, wo welcher Hörsaal ist. Ob es in meinem Fall daran lag, dass ich einen sehr kleinen Hörsaal suchte, der zugegebenermaßen sehr abgelegen im Hauptgebäude lag, oder scheinbar nur Leute gefragt habe, die meistens ganz wo anders sind und sich nur in der Cafeteria ein Brötchen holen wollten, jemanden zu finden, der wusste, wo mein Hörsaal ist, war schwer. Glücklicherweise fand ich kurz vor der Verzweiflung jemanden, der in den gleichen Hörsaal wollte.

Obwohl die Vorlesungen, welche ich besuchte, nichts mit meinem Berufswunsch zu tun hatten, hatte ich keine Sekunde lang das Gefühl, meine Zeit zu verschwenden, eher im Gegenteil. Auch im Gespräch mit den anderen, die nach Interesse und nicht primär nach Berufswunsch gewählt hatten, ergab sich, dass die Denkanstöße, welche man aus den Vorlesungen mitnahm, ohne die Hospitation nicht hätten zu Stande kommen können. Eine weitere Sache ist mir an der Uni Köln noch aufgefallen. Neben all den interessanten Fächern, beeindruckenden Sälen und kompetenten Professoren scheint noch etwas die Uni Köln auszuzeichnen: Die Studenten. Jeden Tag habe ich viele interessante neue Menschen kennengelernt, mit welchen man sich sehr gut über die Uni, die Vorlesung, in welcher man gerade saß, die Gesellschaft, die beste Kaugummimarke und vieles anderes unterhalten konnte.

Bei unseren Gesprächen nach der Abschlussveranstaltung in der Studienberatungszentrale waren wir uns fast alle einig, dass wir noch nie so viele nette Menschen in so kurzer Zeit kennengelernt haben. Insgesamt kann ich das duale Orientierungspraktikum jedem empfehlen. Egal, ob man später studieren möchte, oder nicht, egal, was man studieren möchte und egal, wo man studieren möchte. Die Woche an der Uni Köln war ihre Zeit wert.

Tamara S.

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