Inklusion am Gymnasium der Stadt Frechen

Es liegt auf der Hand: Inklusion ist ein hoher Anspruch und damit eine Herausforderung, der sich nach und nach immer mehr Schulen stellen müssen. Einen konkreten Fahrplan oder ein Patentrezept für die erfolgreiche Umsetzung von Inklusion gibt es nicht (und wird es wahrscheinlich angesichts der unterschiedlichen Bedingungen auch kaum geben).

Die Anfänge

Auf unserem Weg zu einer ersten inklusiven Klasse suchten wir im Vorfeld Kontakt zu Schulen, die bereits Erfahrungen mit Inklusion hatten. Zudem besuchten wir die SchülerInnen in ihrem Unterricht an den Grundschulen und tauschten uns mit den Grundschullehrerinnen aus.

In regelmäßig stattfindenden Klassenteamsitzungen berieten wir uns über die Situation einzelner SchülerInnen und das Klassenklima im Allgemeinen. Um den Klassenverband von nur 21 SchülerInnen zu stärken, holten wir uns außerdem schulpsychologische Unterstützung ein. Die Umsetzung konkreter Vorhaben zur Stärkung des Klassenklimas erfolgte in den sogenannten Orientierungsstunden, die wöchentlich zwei Schulstunden abdeckten.

Eine besonders intensive Zusammenarbeit (insbesondere seitens des Klassenlehrerteams) mit der Förderschullehrerin, die an zwei Tagen der Woche den Unterricht in der Klasse begleitete, war die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung von Inklusion und beinhaltete beispielsweise eine regelmäßige Durchführung von Elterngesprächen, in denen die Lehrkräfte den betroffenen Eltern auch Unterstützungsangebote zur Verfügung stellten. Im Rahmen des Unterrichts profitierten die SchülerInnen von offenen Lernphasen, in denen den SchülerInnen dem angestrebten Schulabschluss entsprechendes Material (=> Beispielmaterial Biologie) zur Verfügung gestellt wurde und diversen Angeboten von zusätzlichem Übungsmaterial, um Defizite aufzuarbeiten. Darüber hinaus hatten die SchülerInnen die Möglichkeit, die Zeit zwischen 15 und 16 Uhr als individuelle Lernzeit mit Betreuung zu nutzen. Die diversen Angebote zur individuellen Unterstützung wurden außerdem durch eine nahezu durchgängige Doppelbesetzung in allen Fächern in der Jahrgangsstufe 5 ergänzt, welche die Schule im sechsten Schuljahr jedoch aus eigenen Mitteln nicht mehr in der Form zur Verfügung stellen konnte.

Insbesondere wenn es um ‚persönliche(re)‘ Probleme ging, konnten sich die SchülerInnen auch bei der Beratungslehrerin oder der Schulsozialarbeiterin Betreuung und Beratung einholen, was sie auch mehrfach in Anspruch nahmen. Neben den Unterstützungsangeboten, die das Gymnasium selbst bietet, spielte aber auch die Zusammenarbeit mit schulexternen Einrichtungen eine große Rolle (bspw. städtische und/oder kirchliche Beratungsstellen).

Klassenraum

Ein zusätzlicher Klassenraum bietet die Möglichkeit, die Lerngruppenin bestimmten Lern- und Übungsphasen (bspw. während des Englischunterrichts) zu trennen.

„Heute“

Inklusion wird ein ständiger Lern- und Entwicklungsprozess bleiben, bei dem wir alle Kinder im Blick behalten werden.

Innerhalb der letzten drei Jahre konnten wir viele unserer Vorhaben realisieren. Einen Fortbildungstag nutzte das Klassenteam beispielsweise, um Ordner mit Differenzierungsmaterial anzulegen und einen ‚Leitfaden Inklusion‘ zu entwickeln. Regelmäßige Fortbildungen zum Thema unterstützen uns bei unserer Arbeit.

Diese Entwicklungen waren das Resultat von Kindern, die sich umeinander bemüht haben, Kolleginnen und Kollegen, die sich für das Gelingen der „Inklusion“ an unserer Schule eingesetzt haben, sowie guten Rahmenbedingungen, die die Schule aus eigenen Mitteln geschaffen hat.

Mittlerweile werden in verschiedenen Klassen ab der Jahrgangsstufe 5 Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf betreut. Sonderpädagogen unterstützen die Klassenteams und Fachlehrer bei ihrer Arbeit.

Schülerstimmen (2015)

Die Inklusionskinder fallen eigentlich gar nicht auf. Sie gehen aber in Englisch und bei Arbeiten in einen anderen Raum. Ich finde es gut, dass man Inklusion und Gymnasiasten in eine Klasse tut.

Ich finde eigentlich die Inklusionsklasse gut, weil man lernt, dass man sich auch mit Kindern befreunden kann, egal, ob sie eine Schwäche haben oder keine. Manchmal nervt es aber auch mal.

Mir gefällt es in der Klasse, weil wir so wenig Kinder sind und dann macht der Unterricht auch Spaß. Mit den Inklusionskindern ist es etwas schwieriger zu lernen, aber es macht trotzdem Spaß.

Als ich in die Klasse gekommen bin, war das Klassenklima sehr schlecht, aber mit der Zeit verbesserte es sich. Mit den Inklusionskindern klappt es gut, bis auf mit einem. Mir gefallen der Unterricht und die Klasse gut.

Am Anfang hatte ich Angst, weil ich noch keinen kannte, aber jetzt fühle ich mich hier wohl und man kann sich gut verständigen. Ich finde die Klasse gut, weil die Kinder auch nett sind und ich habe auch schon sehr viele Freunde gefunden.

Mir gefällt die Klasse gut, denn es ist eine kleine Klasse und das ich gut, denn dadurch ist es in der Klasse nicht so laut wie in Klassen mit 30 Schülern. Am Anfang war ich gespannt, wie das wohl in so einer Klasse ist. Am ersten Schultag habe ich mich ein bisschen gewundert, da sie (die Inklusionskinder) schon komische Sachen gesagt haben, aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Ich bin froh mit meiner Klasse.

Also mir gefällt die Klasse gut, weil man es gar nicht merkt, dass wir eine Inklusionsklasse sind. Die betreuten Kinder sind sehr nett. Am Anfang habe ich gar nicht gewusst, wer jetzt die lerngestörten Kinder sind. Ich habe auch am Anfang gedacht, dass eine Person, die ich komisch fand, eines der Kinder ist. Aber es stellte sich heraus, dass sie oder er ganz normal ist. Ich finde es auch gut, dass die Schüler aus meiner Klasse die Sonderkinder immer mehr aufnimmt.

Am Anfang war ich ganz unsicher und wir haben uns sehr oft gestritten. Jetzt ist es ganz o.k. Die Inklusionskinder sind sehr nett, aber auch alle anderen sind freundlich. Und wir sind die erste Inklusionsklasse am Gymnasium Frechen! Früher haben die Jungs alles ohne die Mädchen gemacht und jetzt machen wir alles zusammen. Ich fühle mich sehr wohl.

Mir gefällt es in der Klasse sehr gut, weil ich mich mit jedem sehr gut verstehe und ich viele neue Freunde gefunden habe. Auch die betreuten Kinder sind sehr nett. Am Anfang des Schuljahres hielten sich viele noch von den Inklusionskindern fern und manche wussten gar nicht, wer die drei Inklusionskinder sind, aber inzwischen versteht sich die ganze Klasse gut.

Also die Inklusionsklasse gefällt mir persönlich ganz gut, denn es gibt ein gutes Klassenklima und es gibt keinen Streit und man wird nie allein gelassen und jeder kümmert sich um einen.

Mir gefällt es in der Inklusionsklasse. Man kann denken, dass die Kinder gar nicht da sind. Man kann sich mit denen auch gut unterhalten. Die machen auch in manchen Fächern mit. Es gibt auch manchmal Streit, wenn einer ein unlogisches Wort sagt.

Wir sind die erste Inklusionsklasse in der Schule. Ich fühle mich sehr wohl in der Klasse. Wir haben drei Inklusionskinder in der Klasse, aber man behandelt sie, als wären sie so wie wir. Natürlich wurden sie am Anfang auch gemobbt, aber jetzt spielen wir sogar mit einem Inklusionskind Fußball und er spielt richtig gut. Die Schule bekommt von mir eine 1+.

Ich fühle mich in der Klasse wohl und habe viel Spaß und ich habe viel gemeinsam mit meinen Freunden.

Ich mag diese Klasse, weil wir nur 21 Kinder sind, weil andere Klassen nämlich so groß sind und über 30 Kinder haben. Außerdem kannte ich zwei Kinder schon aus meiner Grundschule. Daher war es auch gar nicht so schlimm, in eine Inklusionsklasse zu kommen.  

Wir sind die Inklusionsklasse. Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig, da ein paar Kinder in manchen Fächern gehen und wir immer zwei Lehrer haben. Mittlerweile haben sich alle an die Situation gewöhnt. Früher haben die Jungen und Mädchen eher getrennt „gespielt“, mittlerweile machen alle etwas zusammen. Insgesamt ist das Klassenklima sehr gut.

Ich finde es sehr gut, dass wir nur 21 Kinder in der Klasse sind und dass wir immer zwei Lehrer im Unterricht haben. Ich finde auch gut, dass die Inklusionskinder in Englisch woandershin gehen können, denn sie sind noch nicht so weit wie wir.

Ich fühle mich wohl in der Klasse, sogar sehr wohl, weil ich Freunde habe und auch mit den Freunden was unternehmen kann, z.B. ins Phantasialand gehen. Ich fühle mich auch wohl, weil ich gute Lehrer und Lehrerinnen habe. Das ist schön. Ich will weiter hier in der Schule bleiben.

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