Flüchtling zu Besuch in unserem Deutsch-LK

Unbenannt1Am Donnerstag, den 11.06.2015, bekamen wir in unserem Deutsch-LK Besuch von einer junge Frau aus Albanien. Jürgen Vosen, der sich ehrenamtlich bei der Nachbarschaftshilfe engagiert, begleitete die 22 – Jährige und erzählte später viel über seine Arbeit.

Über unseren Gast hatten wir im Vorfeld nur erfahren, dass er aus Albanien kommt und ein politischer Flüchtling ist. Als Vorbereitung führten wir daher eine kurze Recherche zu den politischen Verhältnissen in Albanien durch. Als wir die junge Frau dann trafen, war die Stimmung zunächst angespannt: Niemand wusste, wie man mit ihr reden konnte. Dennoch brannten uns viele Fragen auf der Seele:

  • Wieso musstest du flüchten?
  • Wie seid ihr geflohen?
  • Wie kamt ihr nach Deutschland?
  • Wie lebt ihr nun?
  • Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
  • Was ist dein Beruf?

Es waren viele Fragen und sie beantwortete alle (in fließendem Englisch) sehr offen. Während sie sprach, war es komplett still im Klassenraum. Jeder spürte, wie schwer es ihr fiel, uns zu erzählen, was passiert ist, wie sie jetzt lebt und was sie vermisst.

Sie ist eine junge studierte Frau aus Albanien und wollte grade an ihrem Master arbeiten, als ihre Familie erpresst wurde, jeden Halt verlor und aus Angst, selbst ermordet zu werden, fliehen musste.

Nun lebt sie mit ihren Eltern in einem Flüchtlingsheim in Buschbell. Sie leben zu dritt in einem kleinen Raum und teilen sich mit neun weiteren Familien eine Küche und ein Bad. Sie sagte, das Schwierigste an der Wohnsituation sei, dass sie in Albanien – wie wahrscheinlich auch die meisten Kinder in Deutschland – ein eigenes Zimmer gehabt hätte und nun 24 Stunden mit ihren Eltern auf engstem Raum leben müsse.

Während sie sprach, musste sie oft unterbrechen, da ihr die Tränen kamen. In diesen Momenten überkamen einen Gänsehaut und ein schlechtes Gewissen. Wir alle leben ein „normales“ Leben, teilweise im totalen Überfluss, wir können uns eine solche Situation nicht ansatzweise vorstellen. Unser junger Gast auch nicht, bis zu dem Tag, als sein „normales“ Leben vorbei war.

Nach einer kleinen Pause und der Möglichkeit, persönlich mit unserem Gast zu reden, löste sich die angespannte Atmosphäre und alle wurden etwas entspannter.

Nachdem sie uns von ihrer Flucht und ihrer bisherigen Zeit in Deutschland erzählt hatte, berichtete Herr Vosen noch über seine Arbeit bei der Nachbarschaftshilfe. Diese Organisation versucht, Flüchtlingen bei ihrer Ankunft zu helfen und ihnen Möglichkeiten zur Beschäftigung zu geben, da sie nicht viel machen können und dürfen in Deutschland. Eine Arbeitserlaubnis bekommen sie erst nach einigen Monaten, Freizeitmöglichkeiten werden nur eingeschränkt angeboten. Dieser Langeweile versucht die Nachbarschaftshilfe durch verschiedene Angebote entgegenzuwirken. Sie startet verschiedene Projekte und Angebote, wie ein Internet-Cafe, das die Flüchtlinge besuchen können, um so Kontakt zu ihren Freunden und Verwandten in ihrer Heimat zu halten.

Abschließend kann ich im Namen des Kurses sagen, dass die Begegnung mit der jungen Albanerin eine sehr große Erfahrung war, die den Blick auf Flüchtlinge bzw. die „Flüchtlingsproblematik“ verändert. Imponiert hat uns vor allem, dass sie trotz ihrer schwierigen Lebenssituation noch Hoffnung auf eine bessere Zukunft hier in Deutschland hat.

Vielen Dank nochmals an Arnisa, Herrn Vosen und unserer Lehrerin Frau Mache

Franziska Vosen

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