Ein Sommernachtstraum – Rezension

BildNach zwei aufeinanderfolgenden Erfolgen mit „10 kleine Negerlein“ und „Der Diener zweier Herren“ hat sich die Theater AG dieses Jahr an ein besonders anspruchsvolles Stück gewagt: Ein Sommernachtstraum von Shakespeare.

Die Komödie ist folgendermaßen zusammenzufassen: Es gibt drei verschiedene Gruppen: die gehobenen Menschen, die Elfen und die Handwerker. Bild 2Der Menschenherzog Theseus (gespielt von Florian Deckstein) möchte Hippolyta (Ilka Heidemann), seine Kriegstrophäe, heiraten. Bei dessen Hochzeit sollen die Handwerker die Geschichte von Pyramus und Thisbe vorspielen. Kurz vor seiner Hochzeit bittet ihn Egeus (Laurin Winters) um Rat, da seine Tochter Hermia (Lisa Torjuul) nicht wie von ihm befohlen Demetrius (Ciumarz Kermany) heiraten möchte, sondern leidenschaftlich in Lysander (Jan Wodarczyk) verliebt ist. Während beide Männer Hermia verfallen sind, bleibt Helenas (Xenia Höflich) Liebe zu Demetrius unerwidert. Um dieses Unglück aus der Welt zu schaffen, befiehlt der Elfenkönig Oberon (Lars König) seiner Diener-Elfin Puck (Luzolo Kiangebeni) mit einer magischen Liebesblume Demetrius zu verzaubern, sodass die vier jungen Athener glücklich werden können. Puck irrt sich jedoch, verzaubert Lysander, dieser verliebt sich in Helena und ein riesiges Chaos entsteht. IMG_6767Währenddessen streiten sich Oberon und seine Gattin Titania (Bahana Kiangebeni) um einen Pagen und der Elfenkönig verhext seine Angetraute mit der besagten magischen Blume, sodass diese sich in einen Handwerker verliebt, dem Puck vorher einen Eselskopf gezaubert hat. Dieser Handwerker namens Zettel (Jessica Eigemann) war dabei gerade bei den Theaterproben für ihre Inszenierung von „Pyramus und Thisbe“ mit seinen Kollegen Schlucker (Marie Schulze), Flaut (Yvonne Shao), Schnauz (Miett Xylander), Schnock (Sofie Schiller) und Squenz (Susann Hennemeyer). Nach viel Chaos, das durch den schelmischen Puck ausgelöst worden ist, endet alles mit den Hochzeiten der Liebenden, der Hochzeit Theseus‘ mit seiner Amazonengöttin und dem Schauspiel der Handwerker.

Bild 1Was gleich zu Beginn der Aufführung auffällt, ist: Hier wurden technische Mittel ausgenutzt! Nicht nur das, man sieht, dass das Team Spaß hat und über sich selbst herausgewachsen ist! Während man von Schulaufführungen jeglicher Art, ob musikalisch oder theatralisch, daran gewöhnt ist, dass Auf- und Abbauphasen peinliche Stille hervorrufen und eingespielte Tonspuren immer ein Risiko beinhalten, da sie zu spät oder zu früh abgespielt werden könnten, musste man sich bei dieser Inszenierung immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Laien am Werk sind. Daher reagierte das Publikum die ersten beiden Male skeptisch, als Philostrat (Moritz Vieren) die Bühne zu erotischer Musik betrat um umzubauen, doch beim dritten Mal jubelte die Menge, da Philostrat nicht nebenher umbaute, er inszenierte den Umbau in Begleitung der Musik.

Auch als Demetrius vor Helena floh und das allseits bekannte Gefahren-Leitmotiv aus dem Thriller „Der weiße Hai“ tadellos abgespielt wurde, musste man während des Lachens sich kurz ins Gedächtnis rufen, dass man gerade eine Schulaufführung sieht und nicht im Schauspielhaus ist.

Neben der technischen Umsetzung waren auch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller sehr professionell, auffällig war auch, dass man nicht zwischen „alten Hasen“ und Debütanten unterscheiden konnte, selbst die jüngste im Team (Julia Henn) glänzte als Gehilfin von Titania – und das in der fünften Klasse. Man sah, dass sich niemand zu schade war, sich lächerlich zu machen, egal ob durch übertriebene Gesten wie z.B. Zettel, oder eher wegen der Motivation als wegen des Talents beeindruckende Gesangseinlagen, die durch Oberon zum Besten gegeben wurden. Alles in allem war mit Sicherheit ausnahmslos jeder Zuschauer von dieser Inszenierung genauso unterhalten wie beeindruckt.

Tamara Schink

Bild 3

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