Das etwas andere Stück – aus einer etwas anderen Perspektive

IMG_8987Von Anfang an war klar: Dieses Mal machen wir etwas anders. Kein fertiges Stück, was ein Jahr geprobt wird und dann auf die Bühne kommt. Keine Neuinszenierung eines Klassikers, den jeder schon gesehen oder gelesen hat. Etwas Eigenes.

Aber was? Es kam schnell die Idee, man könnte sich doch mit dem beschäftigen, was man so aktuell oder in der Vergangenheit in der Schule lesen musste und mit dem, was man selbst gerne liest. Zunächst entstand hier eine unfassbar große Sammlung an Texten, Textfragmenten, Kurzgeschichten und Mini-Dramen aus denen erst einmal eine engere Auswahl getroffen wurde. Jeder hatte ein Lieblings- und ein „Hassbuch“ und unser Theaterpädagoge Guido Alexius verfügte ohnehin über einen immensen Fundus an entsprechendem Textmaterial.

Alleine die Sichtung, erste Überlegungen wie sich eine Rollenverteilung gestalten könnte, und erste Gedankenspiele zu einer Reihenfolge der Textausschnitte haben einige Monate in Anspruch genommen. Jetzt ging es darum, aus der sinnvollen Reihenfolge ein sinnvolles Stück zu schreiben, eine Rahmenhandlung zu entwickeln und Übergänge zu schaffen, während es in den Proben gleichzeitig wichtig war, bereits die einzelnen Szenen zu verinnerlichen. Das erste vollständige Textheft hatten wir einen Monat vor der Aufführung in der Hand und selbst hier wurde bis zum Schluss an Details geschraubt und gebastelt (die letzte kleine Änderung gab es zwei Stunden vor der Aufführung).

Auf einmal waren es nur noch drei Tage Zeit, Endspurt! Die letzten Tage waren gewohnt intensiv und anstrengend, aber wie über den gesamten Zeitraum der Planung und des Probens hat es (fast) immer Spaß gemacht, ab und an kam der ein oder andere an Grenzen, aber jeder hat es geschafft, sich an diese Grenzen heran zu tasten, einen Schritt darüber hinaus zu gehen und schon ging es weiter. Von Probe zu Probe konnten wir uns langsam steigern, hatten aber für den Mittwochabend noch ein bisschen Luft nach oben.

Und dann war Mittwoch, 17:30. Treffpunkt an der Mensa. Langsam konnte man uns anmerken dass es ernst wurde. Jeder versuchte auf seine Art die Anspannung so gut es ging zu verarbeiten.

Am spannendsten waren die letzten Minuten vor der Aufführung. Zehn Minuten vor Beginn die letzte Ansage, einmal jeden abklatschen und dann in die finale Konzentrationsphase. Spätestens jetzt war allen klar dass es gleich los geht und wenn der ein oder andere vorher noch zu Späßen aufgelegt war oder einfach rumgeblödelt hat, saß auf einmal jeder in seiner Ecke und ging für sich die ersten Sätze und Laufwege durch.

Eine Atmosphäre von absoluter Konzentration und positiver Anspannung macht sich in der Garderobe breit und allein für dieses Gefühl kurz vorher kann ich jedem nur empfehlen, selbst einmal auf die Bühne zu gehen. Das Stück ging los und je näher man dem eigenen Einsatz kam desto höher wurde der Adrenalinspiegel und desto feuchter wurden die Hände.

Plötzlich saßen wir alle da und es war in der Tat wie in der Schule, mit einer Klasse, die alle Klischees erfüllte. Der Verknallte, die Fußballfans, die Streberin, der Asi, die Verwöhnte und das Opfer.

Nachdem die ersten Szenen sauber verlaufen waren, kam langsam aber stetig immer mehr Sicherheit und alle hatten Spaß auf der Bühne zu stehen und im Rahmen ihrer Rolle Gas zu geben und vor und nach jeder Szene gab es Schulterklopfer als Anfeuerung oder Lob. Es war schön mitzuerleben wie die Gruppe nach einem Jahr Arbeit in dieser Drucksituation zusammen funktionierte und jeder seinen Teil dazu beigetragen hat, dass es am Ende fehlerfrei über die Bühne ging.

Wir hatten es geschafft! Was bleibt ist der Stolz auf das Geschaffene und das Geschaffte, verbunden mit der großen Hoffnung, dass möglichst viele der anwesenden Schüler im Publikum in Zukunft selbst Lust haben, einmal gemeinsam mit uns auf der Bühne zu stehen. In meinen Augen ist das eine Erfahrung, die jeder einmal gemacht haben muss.

In diesem Sinne noch einmal vielen Dank an alle, die uns unterstützt haben, und an alle, die vorbei gekommen sind, um sich das Ganze anzuschauen.

Bis nächstes Jahr!

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