Es ist Montag, der 26. Oktober 2009.
Um ca. 13:30 Uhr betreten 26 Jungen und 2 Mädchen der Stufe 12 des Gymnasiums Frechen mit ihrem Sportlehrer, Herrn Wunschik, die Kletterhalle „Chimpanzodrome“ in Frechen. Alle haben in diesem Schuljahr den Sportkurs mit den Schwerpunkten Fußball / Klettern belegt.
Wobei man jetzt ganz trocken behaupten darf, dass dies alle – bis auf Jan Hojer, unser Kletterprofi – wegen des Fußballbereiches gewählt haben, oder besser gesagt, es war sehr unwahrscheinlich, dass man sich in diesem Kurs extra den Aufwand macht und ein Kletterprojekt, außerhalb des Schulhofes, starten würde.
Aber, siehe da, unser neuer, motivierter Sportlehrer hat dieses Projekt mit Hilfe von Jan Hojer und seinem Vaters ins Leben gerufen.
Man kann sich also vorstellen, dass die Aufregung unseres
Sportkurses sehr groß war, als es hieß, dass es von nun an drei Monate jeden
Montag ab in die Kletterhalle geht um zu lernen, wie man theoretisch und
praktisch die Welt von oben betrachten kann.
In der ersten Stunde wurden alle Schüler, bis auf das dritte Mädchen in der Runde, welches leider krank war, von den Mitarbeitern der Kletterhalle, Irina und Andreas, in die Grundkenntnisse des Kletterns eingewiesen.
Die wichtigsten Antworten zu Fragen wie „Wie sichert man?“, „Wie funktionieren die Knoten?“, „Welche Regeln muss man beachten?“, „Was ist ein ATC?“, „Wofür der Karabinerhaken?“, „Gibt es eine Taktik?“, „Wie komme ich heil wieder unten an?“ und „Wann kann’s endlich losgehen?“ wurden erklärt und vorgeführt.
Als dann jeder aufgeklärt war und man damit ein stückweit schlauer war als zuvor, wurden auch schon die Dreier-Gruppen gebildet: Einer klettert, der andere sichert und der dritte lässt den Smiley raushängen (nein, Spaß beiseite - er fungiert natürlich als Hintersicherung, als Sicherer des Sicherers).
So war von nun an das Ziel jedes einzelnen, erst einmal eine „Smartie“- Route zu schaffen, also einmal bis ganz nach oben, egal wie und Hauptsache, heil wieder unten ankommen.
Leichter gesagt, als getan.
Als man irgendwann endlich den Unterschied zwischen „Tritt“
(Wandstrukturen für die Füße) und „Griff“ (Wandstrukturen für die Hände)
abgespeichert hatte, kam auch der / die Letzte, trotz der anfänglichen Angst,
Unsicherheit und des damit verbundenen Risikos, nach oben und konnte den Blick
aus 14 Metern Höhe genießen.
In der zweiten Stunde war dann endlich auch das Mädchen-Trio komplett und konnte, nachdem die Dritte im Bunde eingewiesen wurde, vorsichtig losklettern.
Schnell merkten die Schüler, dass man zum Klettern enormes Vertrauen zu der Person, die sichert, haben muss um effektiv trainieren zu können.
Aber auch das Vertrauen wurde schnell aufgebaut, sodass die ersten voreiligen Reaktionen zu unserem Kletter-Projekt revidiert wurden und das Klettern machte plötzlich auch richtig Spaß.
Man lernt, zielgerichtet zu arbeiten, durch Hürden seinen inneren Schweinehund zu besiegen und dabei auch noch Erfolg zu haben.
Durch diesen Mix aus Angst - bei dem/der einen oder anderen sogar Höhenangst und Panik - und Spaß, Erfolg und Misserfolg bekam man den gewissen Adrenalin-Kick um verbissen weiter an der Technik zu arbeiten, um vielleicht irgendwann einmal von einer „Drei minus“-Route zu einer „Elf minus“-Route, also von einem Anfänger- zu einem Profiaufstieg zu kommen.

Von diesem Ehrgeiz gepackt, schlichen sich aber auch schon die ersten Fehler ein:
Der Partnercheck wird vergessen, Tritt mit Griff verwechselt, Griffe falsch gepackt, man dreht sich nicht ein, hält sich zu verkrampft fest … und man könnte die Liste beinahe endlos weiterführen. Also alles, was uns die Profis zu Anfang gepredigt hatten, und wir ja eigentlich schon fast runterbeten konnten bzw. hätten können sollen, war irgendwo zwischen unseren Gedächtnissen verschwunden.
Aber auch bei diesen Problemen standen uns die Trainer treu zur Seite, feuerten uns immer an, wann es nur ging, sprachen uns Mut zu und erklärten alles immer und immer wieder.
Bis wir es irgendwann verstanden hatten, zumindest die meisten von uns, nun auf uns allein gestellt und unsere Betreuer zufrieden, nahezu schweigend und manchmal schmunzelnd das Spektakel, von unten aus, betrachten konnten.
Nun geht auch dieses Projekt langsam dem Ende zu - was anfangs von den Schülern belächelt und teilweise „gehasst“ wurde, sieht jetzt ganz anders aus.
Hier stehen nun 29 Schüler und ein Lehrer, welche raus aus den Fußballschuhen und rein in Kletterschuhe geschlüpft sind und sich von diesen nur noch schwer trennen können.
Eine Reihe Menschen, die das Klettern unterschätzt hat und nun mit einigen neuen Erkenntnissen - wie Mut, Vertrauen, Spaß, Ergeiz, Selbstbewusstsein und Umgang mit Erfolg und Misserfolg - die Türschwelle der Kletterhalle „Chimpanzodrome“ überschreitet und diese bestimmt nicht für immer verlässt.

Wir möchten uns nochmals bei unseren Betreuern Andreas und Irina und natürlich bei unserem Lehrer, Herrn Wunschik, der das Ganze für uns initiiert hat, für diese aufregende Zeit bedanken.
Es war wirklich immer lustig und ihr hattet es echt nicht immer leicht mit uns, das wissen wir inzwischen, aber ihr habt echt gute Arbeit geleistet, sodass am Ende jedes Montages, nach Wut und Freude, jeder von sich behaupten kann, er habe sein Bestes gegeben und für diesen Tag seine „Limit“- Route erreicht.
Von nun an heißt es wohl – „No risk, no fun“
Christina Stupp,
Mariam Sfar, Stufe 12