Auszüge
aus der Rede des Schulleiters, Herr Helmut Kesberg, anlässlich der
Verabschiedung von Hans Maurer in den Ruhestand am 25.2. 2009
Lieber Herr Maurer, liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,
Nur wenige Lehrerinnen und Lehrer haben
nicht nur soviel Freude an ihrem Beruf, sondern auch noch soviel Kraft und eine
stabile gesundheitliche Verfassung, dass sie ihren anstrengenden Beruf bis zum Erreichen der gesetzlichen
Altersgrenze ausüben. Noch seltener ist es, dass sie ihren Dienst mit solcher
Leidenschaft und solchem Engagement bis zum Schluss ausüben wie Hans Maurer,
der Ende Januar 2009 die Urkunde zum Erreichen seines Ruhestandes erhielt. Eine weitere Besonderheit: Herr Maurer
unterrichtete seit August 1972, also fast 37 Jahre lang, an einer Schule, am Gymnasium
der Stadt Frechen. Nach dem Abitur am Kaiser-Karls Gymnasium in Aachen und dem
Wehrdienst studierte Herr Maurer kath.
Theologie, Geschichte und Philosophie zuerst zwei Jahre in Tübingen, dann in
Bonn. Nach Referendariat und zweitem Staatsexamen im Sommer 1972 stand
planmäßig der Dienstantritt an der ersten Schule auf dem Programm
Schon 1975
wurde Herr Maurer, damals schon Oberstudienrat, Mitglied der im brandneuen
Schulmitwirkungsgesetz eingerichteten Schulkonferenz und Mitglied des Lehrerrates.
Beiden Gremien gehörte er über 30 Jahre lang an, nahm an allen heißen Diskussionen über die
Weichenstellungen der Schule nicht nur lebhaft, sondern auch mit Leidenschaft
Anteil. Ich erinnere mich, dass man
mich, als ich als Lehrer im Februar 1978 an diese Schule kam, sehr bald darauf
aufmerksam machte, dass die zu vorgerückter Stunde – damals begannen
Konferenzen gerne um 20 Uhr -
hochgereckten beiden Arme von Herrn Maurer nichts anderes bedeuten
konnten als die Stellung eines Geschäftsordnungsantrages: Beendigung der
Debatte, Vertagung, einmal sogar einen Grundsatzantrag, keine Konferenzen
jenseits von 22 Uhr abzuhalten.
Modernität, vor allem in der Nutzung der Medien, war damals in den
70er Jahren ein Leitstern, von dem man
sich motivierte Klassen und eine Nähe zur Lebenswelt der Jugendlichen
versprach. Herr Maurer hatte die Zeichen
der Zeit erkannt und aus eigener Initiative in der Schule ein Archiv mit
Audiocassetten und Videobändern angelegt. Und manche Geschichts- Religions-
oder Politikstunde wurde mit von Herrn Maurer ausgeliehenen Filmen bestritten.
Aus dem Aufnahme- und Archivservice wurde schließlich so etwas wie
Medienbetreuung, einschließlich Lampenauswechseln bei Overheadprojektoren.
In den 80er Jahren begann dann seine Tätigkeit als
Beratungslehrer bei Schulschwierigkeiten
und persönlichen Problemen. Herr Maurer
schätzte, wie es sich gehörte, Verschwiegenheit über alles und gab nur die
Informationen weiter, zu deren Weitergabe ihn seine Klienten autorisiert
hatten. Wenn Schüler einer Lehrperson dankbar sein
müssen, ihnen aus schwierigen Situationen hinausgeholfen zu haben, dann trifft das in ganz besonderem Maße auf
Herrn Maurer zu. Mit großer Leidenschaft nahm er an den
Vorplanungen für unsere Profilklasse teil, die schließlich im Jahre 2000
eingerichtet wurde. Seit dem Jahre 2000 – Herr Maurer war inzwischen
Studiendirektor – koordinierte er das Aufgabenfeld der
Gesellschaftswissenschaften und leitete die Geschichts-Fachkonferenz.
Herr
Maurer scheute nicht die Rolle des Anregers wie des Mahners. Er argumentierte dabei gerne von
reformpädagogischen Positionen aus. So
wollte er die Erkenntnis, dass Lernen am besten gelingt, wenn es sich
freiwillig ereignet, konsequent in den schulischen Alltag umgesetzt wissen. Das
waren spannende, manchmal schwierige Diskussionen. In den nicht selten überraschenden Beiträgen
Herrn Maurers trat seine ganze Leidenschaft für die Bildung des Menschen
zutage, aber auch seine Bereitschaft, in einer Diskussion zu einem Konsens zu
kommen.
Ich
vermisse nach Ihrem Ausscheiden nicht nur Ihre pointierten, leidenschaftlich
vorgebrachten Diskussionsbeiträge, die oft unbequem und denjenigen, die sich
als Realisten verstanden, nicht leicht zu verdauen waren. Ich vermisse Ihre Beratung, Ihre Bereitschaft zur Verständigung in
schwierigen Situationen, die vielen oft überraschenden Anregungen, die Sie uns
gaben. Und immer erinnerten Sie an
unsere Hauptaufgabe, in den Schülern die zu bildenden Menschen zu sehen, und das
gelegentlich mit einer, wie Sie formulierten „gütigen Strenge“ zu tun.