Köln, 18. März 2010

Frechener Gymnasiasten simulieren Weltgemeinschaft auf der didacta

„Wir brauchen Agrar, braucht einer Energie?“ Hektisch wandern die Augen des afrikanischen Wirtschaftsministers in die Runde seiner Kollegen der Pol&IS Regionen. Pol&IS steht für Politik und Internationale Sicherheit und ist ein Seminar der Bundeswehr, das die weltpolitischen Zusammenhänge simuliert. Vom 16. bis 20. März 2010 findet es im Rahmen der didacta auf dem Kölner Messegelände statt, der größten Messe Europas für den Bildungsbereich. Unter den 830 ausstellenden Unternehmen und Organisationen ist die Bundeswehr seit nunmehr 20 Jahren mit einem Messestand vertreten.

Vierzig Schülerinnen und Schüler der Stufe 11 des Gymnasiums der Stadt Frechen sind für die Messetage in die Rollen der Minister der Pol&IS Regionen, der Weltbank und der Weltpresse geschlüpft. Die Vereinten Nationen, internationale Beziehungen, Durchsetzen von Wirtschaftsinteressen, oppositionelle Belange und das Ringen um Einfluss stehen in der ständig an das aktuelle Weltgeschehen angepassten Simulation im Mittelpunkt. Seit 1958 gibt es die Jugendoffiziere in der Bundeswehr, seit 1990 leiten deutschlandweit die aktuell 90 Männer und vier Frauen die Pol&IS-Seminare.  Die Frechener Schüler werden von ihren Lehrern Dajana Lau und Andreas Kastner begleitet. „Das ist bereits das zweite Mal, dass ich mit Schülern Pol&IS spiele. Wir versprechen uns davon, dass die Schülerinnen und Schüler ein gestärktes Verständnis von internationaler Politik mitnehmen. Dadurch, dass sie regelmäßig der Vollversammlung Bericht erstatten müssen, wird zudem auch die Präsentationsfähigkeit erweitert. Vieles wird hier viel deutlicher, weil sie selbst spielen und die nötige Ruhe sowie Zeit haben“, verdeutlicht Lau die Zielsetzung der Lehrer.

Die nötige Ruhe haben die Schüler tatsächlich. Scheinbar können sie ausblenden, dass sie nicht an einem abgeschirmten Kabinettstisch sitzen, sondern auf einem 260 m² Stand inmitten der koelnmesse mit prognostizierten 100.000 Besuchern in dieser Woche. Interviews für die Presse, selbst für das Fernsehen, geben die Schüler fast so professionell wie die Berufspolitiker. Hauptmann Dominik Heße, Jugendoffizier in Düsseldorf, sowie sein Pendant aus Arnsberg, Hauptmann Timo Lobbel, leiten die Simulation auf der Messe. „Die Gruppe ist außerordentlich motiviert“; weiß Heße doch, dass die Atmosphäre für die Schüler auf der didacta eine ganz besondere ist.

NRW-Schulministerin zu Gast bei „ihren“ Schülern

Unter den zahlreichen Besuchern am Eröffnungstag fand sich auch die nordrhein­westfälische Ministerin für Schule und Weiterbildung, Barbara Sommer, bei „ihren“ Frechener Schülern ein. Die Ministerin war es, die vor zwei Jahren als erste Schulministerin eine offizielle Kooperation mit den Jugendoffizieren geschlossen hat. „Ich habe vor drei Jahren hier auf der didacta die Simulation Pol&IS kennengelernt. Die Lehre von Pol&IS, dass man zusammenhalten muss, überlegen muss, wie man gemeinsam das Ziel erreicht, ist eine wichtige Erkenntnis für unsere Gesellschaft. Ich bin sehr zufrieden.“ Diese Art der Kooperation hat Vorbildcharakter. Heinz-Wilhelm Brockmann, Staatssekretär im hessischen Kultusministerium, nutzte den Besuch bei den Jugendoffizieren, um sich vor Ort zu informieren. „Wir sind in Hessen gerade in der Schlussdiskussion, wie wir die analoge Kooperation ausgestalten werden. Wir freuen uns darauf.“

[Hintergrund:

Die Jugendoffiziere als Referenten für Sicherheitspolitik stellen sich seit 1958 in Vorträgen, Diskussionen und Seminaren Fragen zur deutschen Sicherheits-und Verteidigungspolitik. Bereits seit 1961 gibt es eine deutliche Abgrenzung zur Nachwuchswerbung. Diese ist den Wehrdienstberatern vorbehalten und den Jugendoffizieren untersagt. Die 94 Männer und Frauen sind deutschlandweit im Einsatz, um methodisch-didaktisch besonders qualifiziert im Einvernehmen mit den Kultusministerien und streng am Beutelsbacher Konsens orientiert mit Schülern, Lehrern, Verbänden und Stiftungen Grundsätze der deutschen Sicherheitspolitik zu vermitteln.

 

Pressestelle Heeresamt, Konrad-Adenauer-Kaserne, Brühler Str. 300, 50968 Köln, Tel.: (0221) 9371 - 3280,

 Alle Fotos: Sebastian Bangert