"Aqua e vinho" spielten die Schüler Nußberger und Asurmanjan auf der Gitarre
Die Schuldezernentin Frau Dr. Schulze
Frau Keßler und Herr Mittelstädt
Die Grüße der Stadt Frechen überbringt Bürgermeister H-W. Meier
Auftritt des Zirkus Pimparello
Der Lehrerchor unter der Leitung von Herrn Mittelstädt
Georg Kreisler, gesungen und gespielt von Frau Guddat
Richter Löwenberg, Herr Feltes und Frau Bachmann verleihen Herrn Kesberg den Titel "Geheimer Hofrat"
Im Namen der Eltern bedankt sich Frau Grapatin
und dann folgt die Abschiedsrede des scheidenden Schulleiters, hier in Auszügen:
Liebe Gäste,
wer über 32 Jahre als Lehrer tätig war, davon 21 Jahre als Schulleiter, hat einiges erlebt:
Viele befriedigende Lehrerfahrungen und gute menschliche Begegnungen,
aufregende Auseinandersetzungen um den richtigen Weg der Schule,
bildungspolitische Slalomfahrten über Stock und Stein ( ...)
Der hat die unterschiedlichsten Führungspersönlich¬keiten im Land erlebt – ich erinnere mich an 5 Kultusminister(innen), Jürgen Girgensohn und Hans Schwier waren schon einmal in unserem Hause.
Von der Bezirksregierung Köln haben wir hier ein gutes Dutzend Schuldezernenten kennengelernt, davon mehrere wahre Glücksfälle für uns (...).
Ich habe drei Bürgermeister der Stadt Frechen erlebt, mit Ihnen Herr Meier, sie hatten Ihre Kinder hier an unserer Schule, habe ich hier mal Tische geschleppt.
In diesen 32 Jahren begegnete ich über 200 Lehrern, darunter vielen originellen Persönlichkeiten.
(...) Als Schulleiter kann man manches in Gang bringen, allein wenig nachhaltig bewirken. Das Team ist es, das jede Institution voranbringt. Wie gut, dass es immer wieder Menschen gibt, die (...) sich mit dem Gymnasium Frechen identifizieren und sich weit mehr in die Riemen legen, als man normalerweise eigentlich von ihnen erwartet.
(...)
Es war mein Glück, dass ich an wichtigen Stellen meines Lebensweges, auch in der Schule, immer wieder den richtigen Menschen begegnet bin.
Ich hatte immer das Glück, Menschen zu finden, die mich gefördert haben, die mir Sympathie und Zuneigung entgegengebracht haben, Menschen, die mit mir zusammengearbeitet haben, Menschen, die sich über die Maßen für unsere gemeinsame Schulsache ins Zeug gelegt haben,
Menschen, die mir neue Ideen in den Kopf gesetzt haben,
Menschen, die mir zur rechten Zeit Kritik und Widerspruch entgegengebracht haben.
Über manches habe ich mich geärgert, manches hat mich angespannt, gestresst, aber davon ist heute nicht die Rede.

(Von den in der Rede vorgetragenen Anekdoten und Kommentaren zu den projizierten 65 Bildern werden in dieser gekürzten Fassung nur einige erwähnt):

Zur evangelischen Volksschule Köln-Brück kam ich 1955 mit einem blauen Schulauto, einem umgebauten Tempo Matador, der von einer quisseligen alten Jungfer mit einem Knuutz gefahren wurde. Wir saßen auf seitlichen Holzbänken wie in einem französischen Feuerwehrauto. Ich forderte meine Co-Belegschaft auf rhythmisch zu schaukeln. Die Fahrerin hielt an, schimpfte uns aus, ich titulierte sie als „Dumme Ziege“, in der zweiten Stunde klopfte es am Klassenzimmer, der Direktor Stremmel stand vor der Tür. „Kesberg, mal rauskommen!“, neben ihm die Busfahrerin. „Guck mir ins Gesicht wie ein Mann!“ Das tat ich. Die Folge: sein kräftiger Handschlag traf mich voll. Ich war kein Draufgänger und kein Frecher, aber als Sohn eines Künstlers hatte ich schon ein eigenes Ego entwickelt.

Nach Bestehen der Aufnahmeprüfung am Deutzer Gymnasium wollte ich ein Instrument lernen, natürlich Trompete, weil mein Vater mir den Jazz nahegebracht hatte und ich früh den Eigelstein nach alten Jazzplatten abklapperte. Mein Musiklehrer meinte, ich solle erst mal Blockflöte lernen, zwei Jahre, nur mit Mädchen zusammen. Aber dann kam die erste Klarinette, der blieb ich treu, bis ich 20 war, Tuba und Horn kamen durch die Hintertür im evang. Posaunenchor. Und vor dem Kölner Kaufhof spielten wir im Advent Weihnachtslieder, mit abgeschnittenen Handschuhen, und verdienten uns ein paar Mark.

Da mein Vater als Grafiker ständig mit Zeitungen zu tun hatte und mit mir die Redaktionen besuchte, war klar, dass ich so früh wie möglich in die Schülerzeitung einstieg. Die älteren Redakteure waren Jürgen Flimm und Manfred Ritterbach, von ihnen übernahm ich die „namenlose“ für etwa vier Jahrgänge. Und da ich eigentlich immer das mache, was ich gerne und gut mache, habe ich ein paar Jahre später, ab 1982, wieder Schülerzeitung gemacht, als Literaturkurs¬lehrer, etwa 14 Ausgaben des „Kneifer“, und dann, zwischen 1992 und 2000 20 Ausgaben einer Schulzeitung, die ich „die namenlose“ nannte, nachdem ich vorsichtig bei meiner ehemaligen Schule angefragt hatte, ob jemand darauf das Copyright besaß.

Besondere Freude machte es mir, Regisseur der Schultheatergruppe zu sein, ab 1982, mit den Klassikern „Unsere kleine Stadt“, „Die Physiker“, „Der Geizige“, „Ein Sommernachtsraum“, „Leonce und Lena“, einem Heine-Abend, einem Brecht-Abend. Wir gingen sogar auf Tournee und traten auf der Kölner Schultheaterwoche im Schauspielhaus auf, unter den guten Momenten meines Lehrerdaseins waren das die schönsten.

Das Frechener Kollegium, dem ich dann seit 1988 vorstand, war eine ziemlich bunte Gesellschaft mit einigen starken Einzelpersonen, aber auch festgewachsenen Strukturen. Ich hatte heimlich – mit einem Literaturkurs - eine Art Zoologie-Stammbaum der Fauna des Rotdornweges verfasst. Wie in jeder Institution gab es die Bedenkenträgerinnen, die Entrüster, die abgehobenen Wissenschaftler und die Wadenbeißer. Ähnliche Arten lernte ich gleichzeitig in der Politik kennen. Ich gab den Gestalten satirisch verballhornte lateinische Namen. Das Ganze wurde dann von einem anderen Kurs im E-Gebäude im 2. Stock riesengroß an die Wand gepinselt. Ich kann es jetzt gestehen: das meiste stammt von mir selbst.
Neben Herrn Bedorf, der in allem Organisatorischen und in Disziplinarfragen der starke Mann und ein genialer Macher mit Durchsetzungskraft war, fand ich in Herrn Ulm und in den Damen des Sekretariats die immer hilfsbereiten Stützen, die mir das Leben 20 Jahre lang gut erträglich machten.

Eine gute Idee entstand zwischen Kohl und Jelzin an einem Saunaabend. 500 Jugendliche aus der Sowjetuniuon sollten Deutschland besuchen. Der Zufall wollte es, dass 30 aus Moldawien in den Erftkreis kamen. 8 Jahre lang lief dann, von mir befeuert, der Schüleraustausch mit Moldova, der kleinsten und wohlhabenden, jetzt ärmsten ehemaligen Sowjetrepublik, ich war viermal mit einer Schülergruppe dort und wir empfingen viermal Gäste. Viele Freundschaften entstanden dabei – Schule wie im 19. Jahrhundert. Klassenräume wie im Wohnzimmer der Lehrerin, 8. Mai-Gedenkfestzug usw. Diese Erfahrung des Schüler-austauschs war für mich eine der prägendsten der ganzen Lehrerzeit. Intensive Freundschaften sind daraus entstanden, ich verbrachte einmal 4 Wochen dort, besuchte Künstler und lebte auf dem Land wie in mittelalterlichen Verhältnissen.

Für mich war Unterrichten meist ein Vergnügen, keine Last. Ich übernahm alles das, was getan werden musste, wo ein Engpass war. So kam ich zu über 15 Jahren Lateinunterricht, zu meinen Literaturkursen, und zuletzt mal wieder zu einigen Jahren Kunstunterricht, was mich sehr inspirierte und wo ich – zur Freude der Schüler – in den letzten Jahren noch einmal ganz in meinem Element sein konnte.

Manchen war das Tempo der Schulentwicklung zu langsam, manchen zu schnell. Recht machen kann man es niemandem.

Gut finde ich die Fortschritte in der Mediengrundaus¬stattung und unsere Mediothek. Wir lagen einmal an der Spitze, jetzt liegen wir im oberen Mittelmaß, haben ein teures W-Lan, das aber nur eingeschränkt genutzt werden kann, weil seit 2 Jahren keine Einigung über die Anschaffungen erzielt werden konnte.
Eine Perle ist das LNU. Wie aufregend war das doch vor 10 Jahren, als wir mit List und Geduld ein kluges Konzept entwickelten und eine Industriestiftung überzeugten, uns einen damals astronomisch hohen Betrag zur Verfügung zu stellen. Da fehlt allerdings noch die anstehende Sanierung der Naturwissenschaften – sonst verliert die Perle ihren Glanz!
Gut finde ich den Weg zur Ganztagsschule, wenn er genutzt wird, den Schultag menschlicher, menschengemäßer zu gestalten, mit mehr Doppelstunden zum selbstständigen Arbeiten. Und Freiräume für Arbeitsgemeinschaften sollten erhalten bleiben. Was wäre unser Schulleben ohne die vielen AGs, von deren Lebendigkeit unser Zirkus „Pimparello“ gerade eben eine wunderschöne Kostprobe gegeben hat. Und mit der Planung einer Mensa muss endlich begonnen werden, aber bitte mit Mehrzweckraumfunktion.
Problematisch finde ich die Tendenz zur immer stärkeren Komprimierung, Standardisierung und Gängelung, an der Schule wie an der Universität. Begabte werden sich dann entfalten, wenn wir ihnen mehr Freiräume lassen.
Vieles von dem, was wir den Schülern beigebracht haben, wird schon sehr schnell wieder verlernt. Man behält besonders gut, wenn man selber mit eigenem Interesse in das Thema verstrickt ist und wenn positive Emotionen das Lernen begleiten. Leider sind viele Lernversuche nicht mit positiven Emotionen verbunden. Fakten und Basiswissen sind wichtig, aber die Trennung vom Wissensmüll ist es auch.
Eine Schule, in der nicht menschliche Begegnungen zwischen Lehrenden und Lernenden stattfinden, taugt nichts. Diese menschlichen Erfahrungen sind wichtiger als jeder nach den Richtlinien perfekte Unterricht.
Menschliche Kontakte innerhalb des Kollegiums und permanente Gespräche, das erkannte und beherzigte ich besonders in späteren Jahren, sind die wichtigen Triebkräfte, die eine so komplexe Organisation voranbringen. Ich kann das meinen Nachfolgern nur ans Herz legen. Mit großer Dankbarkeit denke ich an meine Teampartner, an meine Stellvertreter Herrn Bedorf, Herrn Dr.Kupsch und Frau Bold. Alles grundverschiedene Persönlichkeiten, alles Glücksfälle. Frau Bold wünsche ich alles Gute für ihre weitere Zukunft im Kollegium.
Ich bin und bleibe Optimist, was die persönliche Entwicklungsfähigkeit von Menschen angeht. Perfektibilität, na ja. Da habe ich dem Schlusswort „Wir müssen unseren eigenen Garten bebauen“ aus Voltaires „Candide“ nichts Klügeres hinzuzufügen.
Ich habe es mir und Ihnen nicht leicht gemacht. Zum Abschluss noch einmal ein Dank Ihnen allen, die Sie gerne mit mir hier gearbeitet haben, auch dafür, dass Sie mich geduldig ertragen haben.
Unserer Schule wünsche ich eine gute Zukunft und Ihnen, liebe Kollegen, wünsche ich noch viel Freude in diesem tollen Beruf!

Verabschiedung von Dagmat Steffens und Klaus Tönnessen
Hilfreiche Schüler haben für das anschließende leibliche Wohl gesorgt.

Feierliche Verabschiedung

des Schulleiters Helmut Kesberg, der Kollegin Dagmar Steffens und des Kollegen Klaus Tönnessen

Die Moderation übernahmen Frau Bachmann und Herr Rödder